FC Willisau - FC Sins


Samstag, 19. Mai 2018, 17 Uhr

 

FCW sichert sich Cup-Trophäe

 

IFV Dickerhof Cupfinal

FC Willisau - FC Sins 3:2 n.V. (2:2/1:1)

 

Bericht: Patrik Birrer (Willisauer Bote)

 

Der FC Willisau ist IFV-Cupsieger 2018. Die Hinterländer setzten sich in einem zwar nicht hochklassigen, aber enorm spannenden Final auf eigenem Platz gegen Sins mit 3:2 nach Verlängerung durch. Der Aussenseiter führte zweimal und verlangte dem Favoriten alles ab.

 

Als nach mehr als 120 Minuten alles vorbei war, sank eine Vielzahl der Akteure auf dem Schlossfeld-Platz augenblicklich in die Knie. Die Sinser liessen ihre Köpfe hängen, die Willisauer reckten die Arme in die Höhe. Für sie schien kurz vor 19.30 Uhr am Samstagabend im Dauerregen doch noch die Sonne. Wenig später erhielt Captain Marko Mijatovic aus den Händen von IFV-Präsident Urs Dickerhof die Cuptrophäe.

 

Aufmüpfiger Aussenseiter

Bis es so weit war, hatten die favorisierten Gastgeber ein hartes Stück Arbeit zu verrichten. Die Gäste aus dem Kanton Aargau traten von Anfang an äusserst selbstbewusst auf, störten konsequent und frühzeitig. Damit überraschten sie die Willisauer sichtlich. Fast eine Viertelstunde dauerte es, bis die Platzherren überhaupt nur in die Nähe des gegnerischen Tores kamen. Echte Torgefahr war dabei nicht auszumachen. Zwar reihten auch die Sinser nicht Torchance an Torchance, doch früh wurde deutlich: Im Angriff war vor allem das Trio Kim Marolf, Michael Hohl und Robin Niederberger fähig, Entscheidendes zu leisten. Waren die Willisauer einmal nicht auf der Hut, wurde das bestraft. Erstmals in der 23. Minute, als Marolf nach einem Fehler im Aufbauspiel der Einheimischen blitzschnell reagierte und den mitgelaufenen Niederberger anspielte. Dieser hatte keine Mühe, zur Gäste-Führung zu treffen.

Bild: Mathias Bühler (Willisauer Bote)
Bild: Mathias Bühler (Willisauer Bote)

Der Knopf platzt nicht

Wie würden die Willisauer reagieren? In der Startphase konnten sie ihre Nervosität nicht kaschieren. Von den überzeugenden Auftritten der letzten Wochen, vor allem auf eigenem Platz, war kaum etwas zu sehen. Und doch fand das Team von Roger Felber und Gody Bühler eine rasche Antwort. Zeljko Karajcic profitierte von einer Nachlässigkeit in der Sinser Hintermannschaft, brachte den Ball von der linken Seite hoch zur Mitte, wo Jonas Bühler per Kopf zum 1:1 traf. Wer nun dachte, der Knopf im Spiel der Willisauer würde sich lösen, sah sich aber getäuscht. Zwar hatten die Gastgeber bis zur Pause noch die eine oder andere Halbchance, die Gäste aber blieben mindestens genauso gefährlich. Immer wieder provozierten sie Ungenauigkeiten im Willisauer Spielaufbau. Hohl und Captain Reto Brügger konnten am Spielstand aber vorerst nichts ändern.

Mehrmals in dieser Saison hatten die Hinterländer zu Beginn der zweiten Halbzeit für den Unterschied gesorgt. Nicht so am Samstag. Ganz im Gegenteil: Die Sinser fanden erneut gut ins Spiel und beschäftigten das Heimteam mehr als es diesem lieb war und oftmals schon in der eigenen Platzhälfte. Es dauerte wieder rund zehn Minuten, bis die Willisauer gefährlich wurden. Jonas Bühler scheiterte mit einer Direktabnahme. Aus dem anschliessenden Eckball resultierte dann die erneute Führung für den Aussenseiter. Robin Niederberger schnappte sich den Ball, zog unwiderstehlich los und fand gegen die unsortierten Platzherren jede Menge Raum vor. 25 Meter vor dem Tor liess er auch Marko Mijatovic aussteigen und traf überlegt zum 2:1.

 

Topskorer Binde richtet es

Die Willisauer brauchten einen Moment, um sich zu sammeln. Nach gut einer Stunde hätte der Ausgleich fallen müssen. Nach einem schnell ausgeführten Freistoss stand Simon Brun allein vor dem Tor, doch sein brachialer Abschluss flog über den Querbalken. Manch ein Willisauer Fan mag sich gefragt haben: Würde eine solche Chance in den verbleibenden 25 Minuten noch einmal kommen? Sie kam: In der 73. Minute verschaffte sich Jonas Bühler mit einem Antritt Raum und spielte an der Strafraumgrenze Zeljko Karajcic an. Dieser hatte trotz guter eigener Position das Auge für Christian Binde. Und der FCW-Topskorer glich den IFV-Cupfinal wieder aus. In der verbleibenden Spielzeit war den Akteuren förmlich anzumerken, wie viel auf dem Spiel stand. Das Bestreben, keinen Fehler zu begehen, war unverkennbar. Und doch ereignete sich noch Wichtiges: Sins-Captain Reto Brügger sah nach einem Foul an Binde die zweite Gelbe Karte und wurde des Feldes verwiesen. Die ohnehin schon schwierige Aufgabe für den Underdog kündigte sich für die nötig gewordene Verlängerung noch komplizierter an.

 

Sinser fighten bis zum bitteren Ende

Erst zu Beginn der zweimal 15-minütigen Zusatzzeit und begünstigt durch die numerische Überzahl, erarbeiteten sich die Willisauer sichtbare Vorteile. Das Heimteam schnürte die Gäste nun immer mehr in deren Strafraum ein. Karajcic, zweimal Binde und Mijatovic scheiterten allerdings mit ihren Abschlüssen. Die Sinser taten sich zusehends schwer, in die gefährlichen Zonen zu kommen. Doch sie kämpften weiterhin engagiert. In der 108. Minute waren sie gegen die individuelle Klasse im Willisauer Team aber machtlos: Karajcic schlug eine lange Flanke in den Sinser Strafraum, wo Christian Binde per Kopf sehenswert und gegen die Laufrichtung des stark haltenden Fridolin Leuthard zur erstmaligen Willisauer Führung traf.

Trotz Unterzahl und Rückstand: Was die Sinser in den verbleibenden gut zehn Minuten ablieferten, verdient höchste Anerkennung. Sie mobilisierten ihre letzten Reserven, warfen alle verfügbaren Kräfte nach vorne und bescherten den Willisauern noch den einen oder anderen bangen Moment bis zum grossen Triumph. Das dritte Tor wollte ihnen aber nicht mehr gelingen und so feierten die Willisauer nach zwei Finalniederlagen 2011 und 2013 bei der dritten Gelegenheit ihren ersten Sieg im IFV-Cup.

 

Schlossfeld. – 670 Zuschauer. – SR Monteiro. – Tore: 23. Niederberger 0:1. 30. Bühler 1:1. 56. Niederberger 1:2. 73. Binde 2:2. 108. Binde 3:2. – Willisau: Achermann; Dahinden, Ostojic, Mijatovic, Roth (80. Paluca); Brun (70. Kohler), Wirz, Daka, Karajcic (113. Tschopp); Bühler, Binde. – Sins: Leuthard; Brügger, Mathis Stutz, Sandro von Flüe, Feer (110. Würsch); Gumann (65. Jann Stutz), Müller, Corrodi, Niederberger (92. Marc von Flüe); Hohl, Marolf. – Bemerkung: Gedenkminute für Robert Amrein (Ehrenmitglied FCW) vor dem Anpfiff, 89. Platzverweis Brügger (Gelb-Rot).